Illustration einer Stadt, die urbane Szenen und Trendbegriffe aufgreift wie Coworking Space und Healing Architecture.

Diese Trendbegriffe prägen die Stadt von morgen.

Global Cities, Urban Farming und Micro Living: Das sind nur drei von vielen Begriffen, an denen wir nicht vorbeikommen, wenn wir uns mit dem Wandel der Stadt und ihrem damit verbundenen Wachstum beschäftigen. Was aber bedeuten diese Begriffe und warum sollten wir sie kennen, wenn wir über urbanes Leben der Zukunft sprechen?

Eine smart geplante Abfallwirtschaft dank einer vernetzten Stadt. Gemeinschaften, die auf Hochhausdächern im großen Stil Obst und Gemüse anpflanzen. Neubauten, die von Anfang an so geplant werden, damit sie das Wohlbefinden der Menschen steigern. Das Leben in der Stadt befindet sich ständig im Wandel. Gefühlt entsteht jede Woche ein neuer Trend, der nicht nur abstrakte Begriffe mit sich bringt, sondern der vor allem das Leben in urbanen Gefilden zukunftsfähig machen will.  

Studien zeigen, dass die Faszination für die Stadt anhält, ja sogar noch größer wird. Während die einen hierherkommen, um sich selbst zu verwirklichen, haben andere gar keine Wahl, weil sie auf dem Land keine Arbeit finden. Laut Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) werden im Jahr 2050 voraussichtlich 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Eine Zahl, die einen zum Nachdenken bringt. Aber auch sensibilisiert. Denn unsere Städte verändern sich, und diese Veränderung erfordert neue, zukunftsweisende Konzepte, damit urbane Ballungsgebiete lebenswert bleiben. Doch bevor wir einige dieser Konzepte und Begrifflichkeiten vorstellen, erklären wir zunächst den Megatrend Urbanisierung. Denn dieser ist die Basis für die Entwicklungen und Szenarien, um die es hier gehen soll.

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Illustration, die den Trendbegriff Urbanisierung darstellt. Zu sehen ist ein MINI Cooper SE in einem urbanen Umfeld.

Die Anziehungskraft der Stadt.

Per Definition beschreibt der Begriff Urbanisierung die Ausbreitung städtischer Lebens- und Verhaltensweisen. Konkret heißt das, dass Städte wachsen und sich verändern, wenn immer mehr Menschen in ihr leben. Diese Veränderungen betreffen überwiegend das Stadtbild, das Sozialleben, die Infrastruktur und die Wirtschaft. Das bringt viele Vor-, aber auch Nachteile mit sich. Positiv ist etwa, dass eine aufblühende Wirtschaft vielfältige Arbeitsmöglichkeiten bietet. Oder dass es in den großen Städten diverse Kultur- und Bildungsangebote gibt. Zu den Herausforderungen zählt, dass der Wohnraum knapp wird, Ressourcen durch einen steigenden Wasser- und Energieverbrauch schwinden und die Ansprüche an die Verkehrsinfrastruktur steigen. Wenn Städte zukunftsfähig sein sollen, dann müssen wir aber auch Themen wie soziale Gerechtigkeit oder eine garantierte medizinische Grundversorgung mitdenken. Denn schon jetzt lebt ein großer Teil der Weltbevölkerung in Städten unterversorgt. Diese negative Begleiterscheinung der Urbanisierung gilt es, aufzuheben. Dazu braucht es neue, passgenaue und nachhaltige Ideen, wenn wir all die Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, die in einer Stadt liegen, mitgestalten und beeinflussen möchten.

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Illustration, die den Trendbegriff Urban Farming mit Pflanzen, Blumen und einem Gewächshaus in einem urbanen Umfeld darstellt.

Gemüseernte im urbanen Raum.

Prognosen der Vereinten Nationen zufolge wird die Zahl der in Städten lebenden Menschen in den kommenden 25 Jahren deutlich ansteigen. Mit dieser Entwicklung gehen viele Fragen einher. Eine davon ist zum Beispiel die der Lebensmittelversorgung. Wie kann diese für Milliarden von Menschen in urbanen Ballungszentren künftig funktionieren? Wo gibt es im städtischen Raum überhaupt noch Platz, um Obst und Gemüse zu pflanzen, wenn sich die Bebauung verdichtet? Und wie schaffen wir es, dabei nicht Nachhaltigkeits- und Umweltaspekte aus den Augen zu verlieren? Ein Lösungsansatz lautet Urban Farming (Deutsch: urbane Landwirtschaft) – nicht zu verwechseln mit Urban Gardening (Deutsch: urbaner Gartenbau). Während es beim städtischen Gärtnern um die Bewirtschaftung von kleinen Flächen auf Balkonen und in Schrebergärten für den Eigenbedarf geht, wird beim Urban Farming gewissermaßen die Landwirtschaft in die Städte geholt, um mehr Bewohner:innen versorgen zu können. Mit dem Ziel, Ernährungssouveränität zu erreichen, Transportwege kurz zu halten, die Luftqualität zu verbessern und die Artenvielfalt in der Stadt zu fördern. Da es immer weniger brachliegende Flächen in Städten zum Beackern gibt, nutzen die urbanen Landwirt:innen Dächer von Einkaufszentren sowie von Bürokomplexen. Das Säen und Ernten in hohen Lüften ist in vielen Metropolen bereits etabliert.

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Illustration, die den Trendbegriff Healing Architecture darstellt. Zu sehen ist unter anderem der Blick ins Grüne aus einer Gesundheitseinrichtung.

Besser heilen dank Architektur.

Anfang der 1980er-Jahre beobachtete der texanische Architekturprofessor Roger Ulrich, dass sich Patient:innen nach Operationen schneller erholten, wenn sie während ihrer Genesung ins Grüne blickten und nicht auf triste Betonfassaden. Darüber hinaus benötigten sie weniger Medikamente, um wieder auf die Beine zu kommen. Heute, viele Jahrzehnte und Forschungsprojekte später, wissen Wissenschaftler:innen sowie Stadt- und Raumplaner:innen deutlich mehr über die Wechselwirkung zwischen Architektur und Mensch. Etliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Gestaltung von Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen nach dem Konzept der heilenden Architektur (Englisch: healing architecture) sich auf das Wohlbefinden und die Genesung von Patient:innen, aber auch auf die Stimmung von Besucher:innen und Mitarbeiter:innen, positiv auswirken kann. Dabei spielen Faktoren wie Licht, Akustik, Farben, Materialien, Raumordnung und die Gestaltung der Innenräume sowie Außenanlagen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ebenso kann das Erleben von Kunst und der Zugang zur Natur, etwa durch einen Blick ins Grüne von Aufenthaltsräumen und Warte- sowie Krankenzimmern aus, eine heilsame Wirkung haben.

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Illustration, die den Trendbegriff Tiny House und Micro Living mit einem mobilen Mini-Haus an einem Fluss darstellt.

Klein und fein wohnen.

Knapper Wohnraum, hohe Mieten, der Wunsch nach einem minimalistischen Lebensstil – es gibt viele Gründe, in ein Tiny House zu ziehen. Das Wort „winzig“ (Englisch: tiny) beschreibt dabei häufig eine Wohnfläche, die kaum größer ist als 50 Quadratmeter. Wie groß beziehungsweise klein ein solches Mini-Haus sein darf, ist bislang nicht definiert. Das Wohnen auf kleinem Raum erfreut sich aber stetig wachsender Beliebtheit. Ob schwimmend, auf Rädern, aus Holz, auf einer oder zwei Etagen – die Gestaltungsmöglichkeiten scheinen unendlich. Ursprünglich kommt der Trend aus Amerika. Aufgrund der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 und der damit verbundenen finanziellen Not, mussten sich viele US-Bürger:innen in Sachen Wohnen verkleinern. Das „Tiny House Movement“ (auch bekannt als „Small House Movement“), das in den 1990er-Jahre populär wurde, hat dadurch noch einmal mehr an Bedeutung gewonnen. Das Leben auf kleinstem Raum, das Besinnen auf das Wesentliche nach dem „Weniger-ist-mehr-Prinzip“, ist in Zeiten der städtischen Verdichtung besonders relevant. Denn es ist der Nährboden für weitere Wohntrends – etwa das Micro Living. Dahinter verbirgt sich das Leben und Wohnen in urbanen Zentren auf durchschnittlich 14 bis 32 (Größe variiert) Quadratmetern. Sogenannte Ein-Raum-Apartments, die häufig mit einer modularen Einrichtung und smarter Technik ausgestattet sind.

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Illustration, die den Trendbegriff Smart City darstellt, unter anderem anhand der Darstellung eines Smartphones.

Digitales Stadtleben.

Das Entwicklungspotenzial einer vernetzten Stadt ist riesig. Insbesondere spielen Smart Cities (Deutsch: intelligente Städte) eine bedeutende Rolle. Mithilfe von innovativen Technologien in Kombination mit schnellen Mobilfunknetzen und smarten Endgeräten sollen Städte und ihre Infrastruktur effizienter, nachhaltiger, inklusiver und zukunftsfähiger gestaltet werden. Denn mit der wachsenden Stadtbevölkerung und dem damit einhergehenden steigenden Ressourcenverbrauch braucht es intelligente Stadtentwicklungskonzepte, die es mit den Herausforderungen unserer Zeit aufnehmen können. Vor allem liegt hier der Fokus auf der Vernetzung der Bereiche Energie, Mobilität, Stadtplanung, Verwaltung und Kommunikation. Wer beispielsweise von einer smarten Abfallwirtschaft spricht, meint das Ausstatten von Müllcontainern mit Sensoren. Der Vorteil: Diese melden dem Entsorger den Füllstand, sodass dieser wiederum Routen und Personal besser planen kann. Ein weiteres Thema ist die Parkplatzsuche. Wer keine Lust mehr hat, ständig Zeit bei der Suche nach einer freien Lücke für das Auto zu vergeuden, könnte eine spezielle App nutzen, die das übernimmt. Ziel des Smart City-Konzepts ist es, das Leben sowie den Alltag in der Stadt mit digitalen Helfern zu erleichtern und so die Lebensqualität der Bürger:innen zu steigern.

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Illustration, die den Trendbegriff Coworking Space symbolisiert. Auf der Zeichnung arbeitet jemand am Laptop.

Gemeinsam statt einsam.

Freiberufler:innen, digitale Nomad:innen und Start-ups – Städte üben eine hohe Anziehungskraft auf Menschen aus, die in der Kreativ- und Digitalbranche arbeiten. Der Wunsch nach Vernetzung, Nähe und Austausch ist groß und zeigt sich besonders daran, dass der Wandel der Arbeitswelt auch unser Stadtbild verändert. So sind in Metropolen Coworking Spaces keine Besonderheit mehr. Wer sich hier einen temporären Arbeitsplatz mietet, profitiert nicht nur von einer guten Büroinfrastruktur, sondern auch von inspirierenden Kontakten. Der erste Coworking Space eröffnete 2005 in San Francisco. Seither schätzen immer mehr Menschen rund um den Globus das Konzept. Das belegt auch eine Umfrage von Statista. Dieser zufolge lag die Anzahl der Coworking Spaces weltweit zuletzt bei rund 18.700 Stück. Fast 1,7 Millionen Personen haben bereits einen Coworking Space genutzt – Tendenz steigend.

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Illustration, die den Trendbegriff Shared Space darstellt. Sie zeigt unter anderem eine Straßenmarkierung, einen MINI Cooper SE und eine Fahrradfahrerin.

Den öffentlichen Raum umdenken.

Wenn unser Leben in urbanen Ballungsgebieten klimafreundlicher werden soll, müssen wir darüber nachdenken, wie sich der öffentliche Raum anders gestalten lässt. Wer sich damit beschäftigt, wird vielleicht schon einmal auf den Begriff Shared Spaces (Deutsch: gemeinschaftlicher Raum) gestoßen sein. Dabei handelt es sich um eine Planungsphilosophie, die bereits in Ländern wie den Niederlanden, Frankreich und auch in Deutschland ausprobiert wird. Die Idee dahinter: Radfahrer:innen, Fußgänger:innen und Autofahrer:innen nutzen den öffentlichen Straßenraum gemeinsam und gleichberechtigt. Für die Umsetzung werden Straßenmarkierungen, Schilder und Ampeln abgebaut. Klingt chaotisch, soll aber dazu führen, dass sich die Verkehrsteilnehmer:innen gegenseitig bewusster wahrnehmen und sich intuitiv verhalten. Dass sie umsichtig sowie defensiv fahren und auf Schwächere Rücksicht nehmen. Die Folge: Der Verkehr wird sicherer.

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Illustration, die die Trendbegriffe Metropole, Megacity und Global City anhand einer Weltkugel, Personen und Hochhäusern symbolisiert.

Gross, grösser, am grössten.

Großstadt und Metropole – ist das nicht das Gleiche? Wie unterscheidet sich die Mega City von der Global City? Und wie werden diese Begriffe eigentlich richtig benutzt? Gar nicht so einfach. Eine Metropole ist eine Großstadt oder die Hauptstadt eines Landes. Sie ist so groß und bedeutend, dass sie sowohl wirtschaftliche als auch gesellschaftliche Relevanz hat. Quantitativ betrachtet, sind Großstädte mit etwa einer Million Einwohnern eine Metropole. In den sogenannten Global Cities leben noch einmal deutlich mehr Menschen. In New York beispielsweise ca. 8,5, in London ca. 8,9. Darüber hinaus haben sie nicht nur auf internationaler Ebene eine Bedeutung, sondern sind auch zentrale und unabhängige Knotenpunkte der globalen Weltwirtschaft. Sprechen wir von einer Megacity, dann meinen wir eine Stadt mit über zehn Millionen Einwohner:innen. Die meisten Megacities befinden sich in Asien, in Europa wird häufig Paris als Beispiel genannt. Die Stadt selbst hat zwar „nur“ rund zwei Millionen Einwohner:innen, doch zur Metropolregion werden elf Millionen Einwohner:innen gezählt. Darüber hinaus ist die Hauptstadt der Fixpunkt der Französischen Republik, ihr kommt nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich eine bedeutende Rolle zu.

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Quizzen für mehr Wissen.

Das waren viele Begriffe und Definitionen. Machen Sie unser Quiz und finden Sie heraus, wie viel Sie gelernt haben.   

Was bedeutet Urban Gardening?

1) Obst und Gemüse auf dem eigenen Balkon anpflanzen.
2) Zusammen mit anderen eine Ackerfläche auf dem Land bewirtschaften.
3) Schön auf dem Balkon abhängen und ein Buch lesen.  

Illustration einer Pflanze, die den Trendbegriff Urban Farming darstellt.
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Illustration eines mobilen Mini-Hauses, das den Begriff Tiny House und Micro Living darstellt.

Welches Prinzip lässt sich mit der Tiny House-Bewegung verknüpfen?

1) Leben und leben lassen.
2) Weniger ist mehr.
3) Mehr ist mehr.  

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Ab welcher Einwohnerzahl spricht man von einer Metropole?

1) Ab fünf Millionen.
2) Ab drei Millionen.
3) Ab einer Million.

Illustration einer Person in einem urbanen Umfeld, das die Trendbegriffe Metropole, Megacity und Global City darstellt.
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Illustration einer Fahrradfahrerin im urbanen Umfeld, die den Trendbegriffe Shared Space darstellt.

Shared Space – was ist damit gemeint?

1) Eine Planungsphilosophie für den öffentlichen Raum.
2) Eine Planungsphilosophie für private Bereiche.
3) Eine Planungsphilosophie für Grünflächen.

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Was ist ein Coworking Space?

1) Die Anmietung eines temporären Schreibtisches, häufig in einem Großraumbüro.
2) Das Neben- sowie Miteinanderarbeiten und der Austausch mit anderen.
3) Das Angebot einer guten Büroinfrastruktur und inspirierende Kontakte.

Illustration einer am Laptop sitzenden Person, die den Trendbegriffe Coworking Space darstellt.

AUFLÖSUNG:

1) Obst und Gemüse auf dem eigenen Balkon anpflanzen.

2) Weniger ist mehr.

3) Ab einer Million.

1) Eine Planungsphilosophie für den öffentlichen Raum.

1) Die Anmietung eines temporären Schreibtisches, häufig in einem Großraumbüro.
2) Das Neben- sowie Miteinanderarbeiten und der Austausch mit anderen.
3) Das Angebot einer guten Büroinfrastruktur und inspirierende Kontakte.

Illustrationen: Koivo c/o kombinatrotweiss.de