24. Mai 2017

MINI STADTGESPRÄCH

ORIGINALE #8: A'GSCHEID’S IN POTZHAM.

Diesmal führt unsere Suche nach echten Originalen in einen Vorort von München. Im beschaulichen Potzham fertigt Florian Totzauer ganz besondere Custom-Longboards in Kleinstauflage.

Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind 100 Zentimeter lang und 24 Zentimeter breit. Zumindest für Florian Totzauer. Der 35-Jährige aus Potzham bei München kann sich nämlich ein Leben ohne Brett unter den Füßen nicht vorstellen. Als Teenager stand er das erste Mal auf einem Snowboard und wurde schnell süchtig nach diesem Gefühl des schwerelosen Gleitens. Im Sommer kam dann der Entzug. Doch eine Alternative war schnell gefunden: Das Longboard wurde zu seinem Substitut, mit dem er fortan durch Städte, Parks und Tiefgaragen cruiste. „Es ist einfach das perfekte Vehikel für den Alltag. Ich habe immer eins unterm Arm oder im Kofferraum“, sagt Florian.

„Nur das richtige Brett zu finden war schwer“, erinnert er sich. Irgendetwas störte den gelernten Heizungs- und Lüftungsbauer immer. Zu weich, zu hart, zu hässlich ... Also beschloss der leidenschaftliche Tüftler irgendwann, selbst Hand anzulegen. „Und wenn ich schon ein Longboard selber baue, dann gleich a gscheid’s“, dachte Florian, womit der Name seines Longboard-Labels auch gefunden war.

 

„Meine ersten Bretter waren allerdings eine ziemliche Katastrophe“, gesteht Florian. Aber mit der Zeit und mithilfe etlicher YouTube-Tutorials perfektioniert er Handwerk, Technik und Material. Anfangs noch im eigenen Keller, heute in einer kleinen Werkstatt fertigt der waschechte Bayer Custom-Longboards für Enthusiasten von Hand. Alles Einzelstücke, genau abgestimmt auf die Bedürfnisse und Wünsche seiner ausgesuchten Kundschaft.

Am Anfang steht dabei ein langes persönliches Gespräch. Will jemand nur ein schickes Board fürs Wochenende, ein Brett für jeden Tag oder eines zum Downhill-Fahren? Wie schwer und wie geübt ist der Fahrer? Alles Fragen, die erörtert werden, bevor es richtig losgeht. Dann können Kunden aus verschiedenen Formen und Holzarten wählen. Ob Esche, Ahorn oder geräucherte Eiche – das ist letztlich Geschmackssache. Entscheidend für das Fahrgefühl sind schließlich Flexibilität und Verwindungssteifigkeit des Brettes. Und die justiert Florian im Herstellungsprozess. Fünf Lagen Furnierholz verheiratet er mithilfe von speziellem Epoxidharz. Je nach Bedarf kommen Schichten aus Glas- oder Carbonfaser dazwischen. Dann geht es erst für 24 Stunden in die Vakuumpresse, anschließend für sieben Tage in den Ruheraum, um für ewig zueinanderzuhalten. Wer will, kann auf der Unterseite des Brettes ein individuelles Design verewigen. Klebefolie, Zeichnungen, Papierausschnitte – im Prinzip ist alles möglich und wird mit Spezialleim auf dem Holz verewigt. Form ausfräsen, Griptape auf die Oberseite, Achsen und Rollen drauf – fertig ist das Longboard.

Etwa alle zwei Wochen rollt so ein neues Longboard aus der Manufaktur A Gscheid’s. Mehr ist nicht drin. Denn der Bretterbau ist für Florian immer noch Hobby neben dem Beruf. An vier bis fünf Abenden die Woche steht er dafür in seiner Werkstatt, hört bayrischen Hip-Hop und perfektioniert sein Tun. Derzeit tüftelt er an Decks komplett aus Carbon. Zwei verheißungsvolle Prototypen sind bereits fahrbereit. Wer sich für ein solches Brett interessiert, muss allerdings knapp 800 Euro investieren. A Gscheid’s aus Holz gibt es komplett schon ab 189 Euro. Reich wird man also nicht mit dem Longboard-Bau. Aber das ist auch gar nicht Florians Antrieb. „Ich bin Handwerker durch und durch“, sagt er. „Und nur ausgeglichen, wenn ich meine Hände sinnvoll nutzen kann. Oder auf dem Longboard durch die City cruise.“ Oder eben, wenn er eines seiner Bretter an einen Kunden übergibt, ihm beim ersten Schwung zuschauen kann und sieht, wie das Gefühl des schwerelosen Gleitens einen weiteren Menschen glücklich macht.

MINI STADTGESPRÄCH

ORIGINALE #7: STRANDGUT IN MÜNCHEN.

Die Suche nach echten Originalen führt uns diesen Monat nach München – zu Strandgut. Ein inspirierender Ort, an dem kleine Designlabels auf großartiges Vintage-Industriedesign treffen.

MINI STADTGESPRÄCH

ORIGINALE #6: DIE SARDINEN.BAR IN BERLIN.

Diesmal führt unsere Suche nach Originalen in Deutschland nach Berlin. In der kürzlich eröffneten Sardinen.Bar serviert Thomas Vetter Feinkost aus der Fischdose.

MINI STADTGESPRÄCH

ORIGINALE #5: UMUT’S MEISTERSCHNITT IN MÜNCHEN.

Wie jeden Monat hat MINI erneut ein Original aufgetan. Diesmal waren wir zu Besuch bei Umut Simsek in München – Barbershop, Friseur und Szenetreffpunkt.