14. dezember 2016

ORIGINALE #4: MUTTERLAND IN HAMBURG.

JEDEN MONAT BEGEBEN WIR UNS AUF DIE SUCHE NACH ORTEN, AN DENEN ORIGINALITÄT, HANDWERK UND QUALITÄT IM VORDERGRUND STEHEN. WIE BEI MUTTERLAND IN HAMBURG, WO JAN SCHAWE SEINEN TRAUM VOM ZEITGEMÄSSEN KAUFMANNSLADEN VERWIRKLICHT HAT.

Ob wohl alle Kaufmannsläden mal so sinnlich waren? Bei Mutterland in Hamburg sieht man keine billigen Verpackungen aus Plastik. Nur Flaschen, Gläser und Papierschachteln mit liebevoll gestalteten Etiketten, aufgereiht in hübschen, bis unter die hohen Decken gestapelten Holzkisten. In der Luft liegt der Duft von frischem Brot, der leise Klang von Jazz – der genaue Gegenentwurf zum modernen Supermarkt.

 

Gewiss, wir schauen gern mal mit leicht verklärtem Blick in die Vergangenheit. Gut möglich also, dass es Läden wie Mutterland früher gar nicht wirklich gegeben hat. Dass man sie erst erfinden musste – selbst wenn hier drinnen jetzt alles nach guter, alter Zeit aussieht. Jan Schawe, der Erfinder von Mutterland, eröffnete sein erstes Geschäft vor zehn Jahren in Stadtteil Sankt Georg. Die Idee des Designers und Gastronomen: ein Lebensmittelladen, der nur Produkte deutscher Manufakturen verkauft. Lecker und von höchster Qualität.

 

„Mutterland war der Laden, der mir damals selbst gefehlt hat“, erzählt Jan heute. „Um gesunde Lebensmittel zu kaufen, musste man ins Reformhaus gehen. Doch da roch es so seltsam. Mehr Genuss boten die klassischen Delikatessengeschäfte, die aber hauptsächlich exotische, importierte Waren führten.“ Die Produkte bei Mutterland dagegen – alle hergestellt in Deutschland. Was viele der Manufakturen im Sortiment sonst noch verbindet: ihre kreativen Rezepte und Namen. So steht der Senf von Senf Pauli schon mal neben Chutneys von Made by Mums oder Marmeladen von Freche Früchtchen. Wer eine Flasche von Fräulein Brösel öffnet, lässt den Geist der Vogelbeere raus. Und der Korn der Brennerei Ehringhausen wird aus Bio-Dinkel gewonnen.

 

Wenn Jan ein neues Produkt ins Sortiment aufnimmt, spricht er vorher persönlich mit den Produzenten, besucht oft sogar selbst die Manufakturen, lässt die Ware blind verkosten. „Bio, regional, nachhaltig: Auf der Welle wollen inzwischen viele reiten. Aber längst nicht alle können halten, was sie versprechen. Wir schauen deshalb sehr genau hin, um die Perlen unter den Manufakturen zu entdecken.“

 

Schokoladen und Pralinés stellt Mutterland auch in eigener Konditorei her, genauso wie die Kuchen für das angeschlossene Café. Nach seinem Stammhaus hat Jan mittlerweile zwei Filialen eröffnet, eine dritte soll folgen. Standorte: alle in Hamburg. Und wie sieht’s aus mit weiteren Läden, etwa in Berlin, München, Frankfurt? „Anfragen gibt’s genug“, sagt Jan Schawe. „Aber Expansion passt nur begrenzt in mein Konzept. Viele Manufakturen arbeiten schon heute am Limit.“ Wer auf ehrliche Handarbeit setzt, kann seine Produktion eben nicht beliebig hochfahren, bleibt im Zweifel also lieber klein – und authentisch.

 

Mutterland Stammhaus, Ernst-Merck-Straße 9, 20099 Hamburg