17. OKTOBER 2016

ORIGINALE #2: LE VÉLO IN HAMBURG.

Der Artikel „Immer ein Original: MINI“ lieferte den Startschuss zu unserer neuen Serie ORIGINALE. Hierfür begeben wir uns jeden Monat auf die Suche nach Orten, an denen nicht der Massenkonsum, sondern Originalität, Handwerk und Qualität im Vordergrund stehen. So auch bei Le Vélo in Hamburg, wo Senad Sarac seinen ganz eigenen Weg gefunden hat, historische Fahrräder ins Jetzt zu holen.

© Dennis Löffka

Der Wert antiker Gegenstände bemisst sich meist an ihrem Zustand. Je originaler, desto besser, so die Faustregel. Senad Sarac aus Hamburg sieht das etwas anders. Und wer ihn in seiner Fahrradmanufaktur Le Vélo im Stadtteil Eppendorf besucht, findet zwar eine imposante Sammlung an historischen Fahrrädern vor, im Originalzustand ist jedoch praktisch keines davon. „Begriffe wie ‚alt‘ oder ‚originalgetreu‘ stehen nicht zwangläufig für Qualität“, erklärt der ehemalige Radrennprofi. Deshalb restauriert Senad seine alten Fahrräder nicht einfach, er modifiziert und modernisiert sie vielmehr und schafft dabei etwas völlig Neues.

 

So wie DJs heute Swingsongs der 1930er mit Hip-Hop-Beats mixen, verbindet Senad historisches Fahrraddesign mit neuster Technik. Ein Fahrrad aus der Gründerzeit mit 3-Gang-Automatikgetriebe, Nabenschaltung und LED-Beleuchtung im alten Lampengehäuse bedeutet für ihn weder Stilbruch noch Widerspruch – auf Wunsch integriert er sogar ein Ladekabel fürs Handy in den Frontscheinwerfer. „Ich bin kein Museum und ein Fahrrad ist doch vor allem Alltagsgegenstand“, erklärt der gebürtige Kroate. „Es soll zwar gut aussehen, aber auch den heutigen Sicherheitsstandards genügen und bequem zu fahren sein.“

© Dennis Löffka

Hier geht es zu Senad Saracs wunderbarer Fahrradwelt:

© Dennis Löffka

Um das zu erreichen, unterzieht er alte Rahmen als Erstes einer Komplettreinigung. Dafür taucht er sie acht Tage lang in ein Alkoholbad. Es folgen Hohlraumversieglung, Schliff und mehrere Schichten Bootslack, bevor er in die kreative Phase einsteigt. Denn jedes Fahrrad hat seinen ganz eigenen Charakter, den gilt es hervorzuheben. Und dabei ist es Senad egal, ob er einen Lenker aus den 1960er-Jahren auf ein Vorkriegsfahrrad schraubt. Teile, die Senad nicht mehr in perfektem Zustand erhält, fertigt er selber an. So sind die Felgen und Tretlager seiner Velos meist handgemachte Einzelanfertigungen. Auch die hölzernen Lenkergriffe entstehen in Handarbeit. Rechnet sich dieser Aufwand überhaupt bei einem Verkaufspreis ab 1.000 Euro? „Über meinen Stundenlohn will ich gar nicht nachdenken“, sagt Sedan, der rund 20 Arbeitstage in jedes seiner Bikes steckt

 

Trotzdem bleibt er sich treu. Eine Reparaturwerkstatt, in der platte Reifen repariert werden, oder der Verkauf moderner Fahrräder wären nichts für ihn. Nicht nur aus Nostalgiegründen: „Ganz ehrlich: Das könnte ich gar nicht. Mit einer 18-Gang-Schaltung eines modernen Mountainbikes wäre ich völlig überfordert.“

Le Vélo, Eppendorfer Weg 57, Hamburg  

© Dennis Löffka

Das nächste Mal besucht MINI die Ledermanufaktur Leevenstein in Berlin.