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21. juli 2016

DIE GROSSE FREIHEIT AN DER SPREE.

Mit dem Holzmarkt entsteht in Berlin auf 18.000 Quadratmetern ein neues Quartier. Wo früher die legendäre Bar 25 stand, wird jetzt gebaggert und gebaut. Das Projekt will die Kreativen der Stadt vereinen und einen Ort für eine innovative Art des modernen Wohnens, Arbeitens und Lebens schaffen.

Bar 25, Kater Holzig – zwei Nightlife-Institutionen, die das Berliner Nachtleben neu definiert und die Hauptstadt zur Feiermetropole der Welt gemacht haben. Aus Techno-Clubs wurden Abenteuerspielplätze für Erwachsene, durchgehend geöffnet von Freitagabend bis Montagmorgen, Lagerfeuer, Hängematten und Baumhäuser inklusive. Bar 25 und Kater Holzig sind vergangen, nicht allerdings der Innovationswille der Betreiber. Vor zwei Jahren eröffneten diese mit dem Club-Restaurant Kater Blau eine neue Nachtleben-Location. Und jetzt? Wollen sie nicht weniger, als das urbane Leben in Berlin erneut zu prägen.

 

Die Idee: direkt am Spreeufer, auf der Schnittstelle zwischen Friedrichshain, Kreuzberg und Mitte, also genau dort, wo einst die Mauer, die Bar 25 und das Kater Holzig standen, eine Art Dorf mitten in der Hauptstadt errichten. Den Holzmarkt. Einen Ort für kreative Menschen aus der ganzen Welt, in dem Wohnen, Leben und Arbeiten innovativ verschmelzen.

Der verrückte Plan einer Handvoll Nachteulen? Weit gefehlt. Das Projekt ist seit 2013 in vollem Gange. Nachdem ein Großbauprojekt auf dem Areal scheiterte, schlug die Stunde selbstorganisierter Stadtplanung. Die Schweizer Stiftung Abendrot kaufte das Grundstück, die Holzmarkt-Genossenschaft übernahm die Entwicklung. Den Anfang machen vier größere Gebäude, in denen eine Multifunktionshalle für Messen und Events, Probenräume für Videokünstler und Artisten sowie Tonstudios für Musiker entstehen. Auch eine Behindertenwerkstatt, eine Kita, ein Club und ein Restaurant sind geplant. Der Clou: „Es wird so in die Erde hineingebaut, dass der Spreeuferweg übers Dach führt“, so ein Sprecher der Holzmarkt-Genossenschaft.

 

Das Ganze soll ohne begrenzende Mauern und Zäune funktionieren, sowohl architektonisch als auch im Geiste. Zurückhaltende Bebauung statt großer Blöcke. Alles miteinander verbunden, umrahmt von einem Park. Individuelle Nutzung anstelle dominanter Großprojekte. Und vor allem nachhaltig. 

 

 

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So wird beispielsweise auf den Dächern einiger Gebäude ökologische Fischzucht betrieben, mit dem angegliederten 6.000 Quadratmeter großen Mörchenpark entsteht eine öffentliche Grünfläche zum gemeinsamen Gärtnern und für Gemüseanbau. 

Herz des Holzmarkts ist das sogenannte Dorf. Treffpunkt für das ganze Quartier. Statt Discounter und Ketten bestimmen hier kleine individuelle Läden das Bild. Bäcker und Frisör finden sich Tür an Tür mit Künstlern, Handwerkern und veganen Cafés – je individueller, desto besser. Eine Marktlandschaft, die bereichern soll, nicht nur monetär, sondern ganzheitlich.

 

Weiterer Baustein: das Eckwerk. Technologiezentrum, Innovationszentrale, Creative Hub. In dem Gebäude mit offener Architektur siedeln sich Studenten, Gründer und Forscher aus aller Welt an. Es wird genetzwerkt, der kreative Austausch gelebt, im Kater Blau gemeinsam gefeiert. Künstler und Co brauchen dabei keine großen Mittel. Wer sich subventioniert ansiedeln darf, welche Idee förderungswürdig erscheint, entscheidet die Community. Gelebte Demokratie im Alltag. Gleichzeitig soll sich niemand auf dem Holzmarkt auf Dauer festbeißen. Mietverträge sind meist befristet, um Diversität zu fördern und immer wieder neuen Ideen und Talenten Raum zu geben.

 

So entsteht mitten in der spannendsten Hauptstadt der Welt ein neuer, magischer Ort, der sich Werte wie Gemeinschaftswesen, Wandel und Innovation nicht nur auf die Fahne schreibt, sondern auch lebt.