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12. Mai 2016

JETZT FAHR SCHON!

Im Auto werden wir manchmal zum Tier, vergessen Anstand und Höflichkeit. Warum ist das so? Der Verkehrspsychologe Thomas Wagenpfeil vom TÜV SÜD kennt die Antwort.

MINI: Herr Wagenpfeil, welchen Stellenwert hat das Auto psychologisch betrachtet für den Menschen?


Herr Wagenpfeil: Das Auto stellt einen besonderen Lebensbereich da. Es ist Statussymbol und Identifikationsmittel, des Deutschen liebstes Kind und eine Art sichere Kapsel, mit der wir uns durch den sozialen Raum Verkehr bewegen.



MINI: Was macht diesen sozialen Raum besonders?


Herr Wagenpfeil: Hier finden intensive Begegnungen auf engstem Raum mit sehr vielen fremden Menschen statt. Das birgt Konfliktpotenzial, da ja alle das gleiche Ziel haben: möglichst schnell vorwärtszukommen.

 

 

MINI: Eine Situation, die man samstagnachmittags auch in jeder Fußgängerzone vorfindet.


Herr Wagenpfeil: Aber hier würde niemand Menschen, die vermeintlich zu langsam vor einem gehen, anschreien, wegdrängeln oder ihnen ganz nah auf den Pelz rücken. Das wäre den meisten peinlich. Sie würden die Reaktion anderer fürchten.

MINI: Warum tun sie das im Auto nicht?


Herr Wagenpfeil: Weil es einen geschützten Raum darstellt, in dem man weitestgehend anonym agieren kann. Man bewegt sich zwar in der Masse, ist aber gleichzeitig allein. Niemand muss sich hier für sein Verhalten unmittelbar rechtfertigen, niemand hört, wenn man den Voranfahrenden als Idioten bezeichnet.

 

 

MINI: Was sind das für Charaktere, die gerade im Straßenverkehr zum Tier werden?


Herr Wagenpfeil: Fast ausschließlich Männer. Zum einen solche, die grundsätzlich ein hohes Aggressionspotenzial in sich tragen. Bei diesen Menschen spielt der kompetitive Aspekt im Straßenverkehr eine große Rolle. Sie haben die Einstellung: Weg da, hier komme ich! Und natürlich kann kein anderer so gut Auto fahren wie sie selbst.