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22. märz 2016

Black is back.

in zeiten von einsen und nullen erlebt ein analoges medium sein revival. die schallplatte ist zurück.

Eigentlich war sie doch schon tot. Die Schallplatte. Pfiff, wenn überhaupt, auf Flohmärkten und in verrümpelten Secondhandläden – aber auch hier –, nur noch aus dem letzten Loch. Und selbst die enthusiastischsten DJs mussten irgendwann einsehen, dass es praktischer ist, 1.000 Songs auf einem USB-Stick in der Tasche zu haben als 100 Platten in kiloschweren Koffern.

Doch Totgesagte leben länger. „Seit etwa zehn Jahren steigt die Frage nach Vinyl wieder“, sagt Peter Platzek, Betreiber der Institution „Platten-Pedro“ in Berlin-Charlottenburg. Seine Kunden: vor allem junge Leute, die noch gar nicht geboren waren, als Musik in den Wohnzimmern fast ausschließlich aus der Rille kam. Kein reiner Hauptstadt-Trend. Weltweit steigen die Verkaufszahlen für Vinyl, allein in Deutschland zuletzt um 33 Prozent. In der größten Plattenfabrik Europas, Record Industry im niederländischen Haarlem, arbeitet man deshalb schon im Akkord, hat Schichten verdoppelt, um die Nachfrage zu befriedigen, weiß Verkaufsmanager Anouk Rijnders. 

 


Warum nur? Spricht doch eigentlich alles gegen das sperrige, anfällige Vinyl und für die praktische und praktisch unzerstörbare MP3.

„Eine MP3 hat keine Seele“, sagt Plattensammler Thomas Korbek aus München und bringt damit die Faszination Vinyl auf den Punkt. Worte, die man so oder so ähnlich von allen Liebhabern der analogen Technik hört. Vom warmen, authentischen Klang und vom herrlichen Knistern ist dann die Rede, von der Haptik und dem bewussteren Wahrnehmen der Musik.

Mit diesen Werten verteidigt die Schallplatte ihr Dasein. Flankenschutz liefert der allgemeine Retro-Trend. Das amerikanische Traditionsunternehmen Crosley Radio drängt derzeit mit Plattenspielern im 1960er-Jahre Design auf den europäischen Markt, die Firma Technics legt ihren legendären SL-1200G zum 50-jährigen Jubiläum wieder auf. Bestes Beispiel für die derzeitige Vinyl-Euphorie ist aber die Kickstarter-Kampagne von Gramovox. Das Finanzierungsziel von 50.000 US-Dollar für ihren Vertikal-Plattenspieler Floating Record war nach drei Stunden erreicht. Am Ende kamen 1,6 Millionen US-Dollar von rund 4.500 Unterstützern zusammen. Ein jeder davon zukünftiger Besitzer des analogen Plattenspielers. Und die müssen bespielt werden. Die Platte, sie lebt.

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WIEDERBELEBUNG


Der Spinnerette von Crosley Radio spielt nicht nur analog, sondern kann auch Vinyl via USB in MP3-Dateien umwandeln.

 

Preis: ca. 135 EUR, 

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AUFERSTEHUNG


Die DJ-Legende unter den Plattenspielern. Zum 50-jährigen Jubiläum wird der Technics SL-1200G wieder aufgelegt.

 

Preis: TBA,

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NEUGEBURT


Der Floating Record von Gramovox mit integrierten Lautsprechern klingt schick und stellt die Platte völlig neu auf.

 

Preis: ca. 360 EUR,