02. August 2017

MINI STADTGESPRÄCH

PERFEKT SERVIERT.

Zwei Münchner schicken sich an, das Tennis zu revolutionieren. Nicht im Großen, sondern im Kleinen. Wie? Indem sie alles anders machen: den Sport vom Verein entkoppeln, eine Art „Straßen-Liga“ gründeten und auch schon mal auf dem Gipfel der Zugspitze gelbe Filzbälle übers Netz schlugen.

DIE IDEE

Tennis ohne Vereinsmeierei. Ohne Kleidervorschriften. Ohne das ganze Buhei um das eigentliche Spiel herum. Stattdessen: eine Plattform im Netz mit eigener Liga und der Möglichkeit, auf angemieteten Plätzen auch ohne Vereinszugehörigkeit zu spielen. Bei der Gründung 2015 hoffte man, so 50 ambitionierte Tennisfans zusammenzubekommen. Heute sind es schon über 500. Nur im Raum München!

 

DIE MACHER

Christoph Hanke und Peter Wehner aus München spielen seit Kindertagen Tennis. Hanke sagt: „Einfach loslegen und spielen – kein Problem, wenn man Fußball kicken oder ein paar Körbe werfen will. Beim Tennis allerdings muss man Mitglied in einem Club sein. Das nervt.“ Also gründen die beiden kurzerhand ihre eigene Freizeit-Liga. Ziel: Es leicht machen, Tennis zu spielen, Berührungsängste abzubauen, mit verkrusteten Strukturen zu brechen und dem Tennissport ein neues Gesicht zu verleihen.

DIE ORGANISATION

Auf der Homepage des White Club kann sich jeder anmelden und wird je nach Spielstärke in eine der Ligen eingeteilt. „Damit nachher nicht Anfänger und Halbprofi auf dem Platz aufeinandertreffen“, erklärt Hanke. „Gleichzeitig achten wir darauf, dass die Spieler einer Liga aus der gleichen Gegend kommen, um die Fahrtwege kurz zu halten.“ Mit Saisonstart Mitte Juni geht es dann los. In den einzelnen Ligen spielt jeder gegen jeden. Praktisch: Die Spieler verabreden sich über die Homepage selbst zu ihren Matches, so bleiben alle flexibel. White Club stellt nur die angemieteten Plätze zur Verfügung. Das Startgeld pro Saison beträgt 35 Euro. Gleichzeitig findet mehrmals pro Woche ein sogenanntes Jour-fixe-Tennis statt. „Wir reservieren die Courts, bringen Bälle mit und dann kann jeder, der sich auf unserer Seite dafür angemeldet hat, mitspielen“, sagt Hanke. Egal wie gut er ist. „Denn lieber nett als Profi.“

DER CLOU

„Warum solle man Tennis nur auf dem Tennisplatz spielen?“, fragten sich Hanke und Wehner von Anfang an und entkoppelten den Sport nicht nur vom Verein, sondern auch gleich vom Platz. Zumindest tun sie das immer mal wieder. Das Ergebnis: Die Spieler vom White Club servierten schon im Münchner Olympiastadi­on, vor der Bavaria und beim Straßenfest in der Münchner Türkenstraße. „Das Tolle am Tennis ist ja: Man braucht nicht viel“, sagt Hanke. Vor der Bavaria stellten sie 2015 das Netz einfach mit Bierkästen und Vierkanthölzern auf. 150 Meter Kreppband für die Linien. Nach 30 Minuten stand der Tennisplatz. Mittlerweile hat der White Club aufgerüstet und eine mobile Netzhalterung aus zusammensteckbaren Stahlteilen konstruiert. Damit wagten sich die Tennis-Freaks sogar auf fast 3.000 Meter Höhe und servierten Bälle auf dem Gipfel der Zugspitze – zuletzt sogar in der Halbzeitpause eines Eishockeyspiels. Tennis on Ice – hatte man auch noch nicht gesehen.

DIE VISION

Tennis wie Basketball oder Fußball zurück in die Stadt, auf die Straße, in die Parks – ach, überall dorthin, wo es möglich ist – zu bringen. Nicht nur in München. Eine Expansion in andere deutsche Städte sowie nach Österreich und in die Schweiz ist bereits angedacht. Genauso wie das Meisterstück, Christoph Hankes und Peter Wehners großer Traum:

ein Tennismatch auf dem Deck eines Flugzeugträgers.