dam Image

22. August 2017

MINI STADTGESPRÄCH

ORIGINALE #10: NOH NEE – DIRNDL À L’AFRICAINE.

Dass bayerische Dirndlschnitte perfekt mit traditionellen afrikanischen Stoffen harmonieren, beweisen die Schwestern Marie Darouiche und Rahmée Wetterich. Mit ihrem Label NOH NEE – übersetzt: „Geschenk Gottes“ – führen sie Kulturen zusammen. Und lassen sie in den schönsten Farben erstrahlen.

„Eine Idee bleibt immer so lange nur als Idee in der Schublade, bis man sie verwirklicht.“ Eine Philosophie, von der uns Rahmée Wetterich nicht nur erzählt. Sie und ihre Schwester leben sie. Aufgewachsen in Kamerun und schon früh von der Kreativität ihrer Mutter – einer Schneiderin – angesteckt, schlagen beide Schwestern ebenfalls kreative Lebenswege ein. Zunächst unabhängig voneinander, dann aber gemeinsam. So arbeitete Rahmée, die als erste der beiden Schwestern im Alter von zwölf Jahren nach Deutschland kam, zunächst viele Jahre im Modebereich sowie Interior Design. Ihre elf Jahre ältere Schwester Marie arbeitete viele Jahre als Schneiderin, bevor sie ebenfalls nach München kam und die beiden 1992 zunächst einen gemeinsamen Einrichtungsladen eröffneten.

dam Image

Beide Schwestern sind nun seit über 20 Jahren in Deutschland, doch die Liebe zu ihrer Heimat lässt sie nicht los. So reist Marie immer wieder zurück nach Afrika und bringt von dort die typischen Wax-Stoffe mit – und jede Menge Ideen. Sie experimentiert mit unterschiedlichen Schnitten und Stoffen. Als Einzelstück für eine Modenschau entsteht daraufhin im typisch farbenfrohen Muster der traditionellen afrikanischen Stoffe das erste „Dirndl à l’Africaine“. Dieses findet jedoch so starken Zuspruch, dass sich Marie daraufhin intensiver mit dem bayerischen Gewand beschäftigt. Immer mehr Dirndl entstehen – zunächst auf Bestellung. Und die Nachfrage steigt stetig. Was also tun? Unterstützung holen. Die findet Marie bei ihrer Schwester Rahmée. Und in einer gemeinsamen Vision. Einer Vision, geprägt von Kreativität und starken Frauen. Die Rede ist von ihrem Label NOH NEE.

dam Image

Gemeinsam eröffnen sie 2011 ein Atelier samt Laden im Münchner Stadtteil Schwabing. Jedes Dirndl, das ab diesem Zeitpunkt hier entsteht, ist ein Unikat. Die traditionellen Stoffe aus Afrika paaren sich mit klassischen bayerischen Trachtenschnitten und huldigen beiden Kulturen voller Farbenfreude. „Farbe berührt unsere Sinne“, strahlt Rahmée und wir strahlen mit. Denn die Farbenpracht, die uns im Atelier der beiden umgibt, ist wahrlich beeindruckend. „Die Natur“, sagt Rahmée, „macht uns vor, wie Farben kombiniert werden können. Wenn einmal der Rahmen geschaffen ist, kann darin alles zum Blühen gebracht werden.“ Und sie ergänzt: „Wir wollen die moderne Frau nach vorne bringen und gleichzeitig die Tradition wahren.“ Dass das den beiden Schwestern auch gelingt, sieht man an ihren Stammkundinnen, zu denen die beiden fast schon ein freundschaftliches Verhältnis haben und die selbst auch immer wieder eine große Inspiration für die beiden sind.

Doch die Schwestern möchten mehr, als nur Mode entwerfen – sie wollen in der Welt auch etwas bewegen. So rufen sie das „Project Justine – Train the Trainer“ ins Leben. Bereits bei der Gründung von NOH NEE war den beiden Schwestern wichtig, ihre Heimat Afrika mit in ihr Schaffen einzubinden. Sie wollen die Frauen vor Ort unterstützen, ihnen eine Perspektive geben. So kommt ihnen die Idee, Frauen in Benin als Schneiderinnen auszubilden. 2012 kommt Justine, eine Schneiderin aus Benin, nach München und erhält von den Schwestern eine weiterführende Ausbildung in Sachen Schnitte und Qualitätsstandards. Justine konnte dann in Benin ihr Wissen an andere Frauen weitergeben, damit diese ihren Lebensunterhalt sichern können und wiederum ihr Wissen an andere weitergeben können – das ist das Prinzip hinter „Train the Trainer“. „Mit diesem Projekt wollen wir sozusagen viele Justines schaffen, die dann ein selbstbestimmtes Leben führen können. Ohne Zwänge.“   

dam Image

Im Zuge dieses Projekts ist im Frühjahr 2016 auch die komplette Kollektion NOH NEE BENIN entstanden – tatsächlich „Made in Africa“. Ein kleiner Meilenstein für die Schwestern und vor allem für die Frauen in Benin. Die Kollektion für 2018 ist auch schon fast fertig. Hierbei gab Justine ihr Wissen und ihre Erfahrung an neue Auszubildende weiter. Eine Mitarbeiterin aus München hat sie dabei über Monate in ihrem Atelier in Natitingou begleitet.

Rahmée und Marie machen mit ihren Dirndln die Welt also nicht nur ein bisschen bunter. Sondern wirklich auch ein bisschen besser. „Wir sind eben ein Frauen-Powerpaar“, lacht Rahmée. Und damit hat sie mehr als recht. 

Teasers