26. Juli 2017

#MINI STORIES

Neue Hamburger Schule: die Kitchen Guerilla.

Es ist wie in jeder Branche: Die Innovationen kommen oft von denen, die keine alten Hasen sind. Deswegen wurde John Cooper plötzlich Autoentwickler und Onur und Koral Elci plötzlich Food-Pioniere: Denn aus Hamburg schickt sich die „Kitchen Guerilla“ an, das angebratene deutsche Speisekonzept zu entkrusten. Wir haben den Machern dabei über die Schulter geschaut.

„Essen muss der Mensch, das weiß ein jeder, und was er isst, fließt ein auf all sein Wesen.“ Wenn ein österreichischer Nationaldichter namens Franz Grillparzer so etwas sagt, dann ist da etwas dran. Schließlich haben uns die Österreicher so schmackhafte Dinge wie den Kaiserschmarrn oder den Topfenstrudel gebracht. Dass gemeinschaftliches Essen nicht unbedingt im Restaurant oder am Wohnzimmertisch stattfinden muss – diese Idee hatten irgendwann auch zwei Freunde aus einer ganz anderen Ecke. Aus Hamburg.

 

Das Team – heute im Kern bestehend aus einem Werber, einem Designer sowie mehreren Mitarbeitern – wirbelt seit einiger Zeit die deutsche Kochszene mit mobilen Kochevents auf, bei denen keines ist wie das andere. Hier kommen Foodies, Gourmets und alle, die einfach mal etwas Neues ausprobieren wollen, auf ihre Kosten. Das Besondere: Es gibt keinen Kellner, keine Gedecke, keine Etikette. Stattdessen sitzen die Gäste meist an einer großen Tafel und bekommen ihr Essen auch nicht direkt auf den Teller, sondern wie bei Muttern aus der Schüssel serviert. „Ursprünglich saßen die Menschen beim Essen zusammen ums Feuer. Gemeinsam essen, das hat einfach immer noch eine Anziehungskraft“, sagt dazu Koral Elci.

 

Elci ist einer der Macher hinter dem Konzept. Der kernige Bartträger kommt ursprünglich aus Istanbul und hat dort Kindheit und Jugend verbracht. „Durch Essen und Trinken kann man schnell eine Brücke schaffen – das hat mich immer fasziniert. Bei uns zu Hause war es auch so, dass wir oft mit Freunden und Bekannten gekocht haben. Lange Abende, an denen man viel über schöne Dinge, aber auch Politik, Soziales, Freundschaft geredet hat. Das Ganze in Kombination mit Musik und Trinken – so sind sehr schöne Beziehungen entstanden.“ Klingt nach der perfekten Initialzündung für einen angehenden Koch. 

 

Trotzdem wurde es nach der Schule erstmal ein Produktdesign-Studium. „Ich habe nach meinem Abschluss auch eine Weile als Designer gearbeitet, aber das wurde schnell langweilig. Ich wollte mehr machen, als die ganze Zeit Interieurs zu entwerfen.“ Und dabei Kreativität und Veränderungswillen nicht verlieren. Gekocht hat er auch in dieser Zeit schon gerne – wenn auch nur im kleinen Rahmen und für Freunde. Das kam gut an, die Zahl derer, die bei ihm mitessen wollten, überstieg irgendwann die Anzahl der Kochplatten. Was tun? Restaurants kapern, ganz nach hanseatischer Seefahrertradition. „Wir kannten so viele Gastronomen. Warum also das Ganze bei denen nicht in größerer Runde machen?“ Die Kitchen Guerilla war geboren.    

 

Inzwischen finden die Abende auch außerhalb von Gasthäusern statt. Ob auf Firmenevents, an Hochschulen, in Wohnzimmern oder im Urwald – Örtlichkeiten sind für die Kitchen Guerilla kein Hindernis, wenn es ums Kochen geht. Mittlerweile haben die Köche in so ziemlich jeder deutschen Großstadt und darüber hinaus in 30 weiteren Ländern schon mal den Herd angeworfen. „Wir sind mit Taxis aus der Türkei nach Beirut gefahren und durften unterwegs mit den Leuten tafeln. Wir haben in Namibia für ein Naturvolk gekocht. Und letztens erst in Ecuador mit abgefahrensten Früchten. Das war wahnsinnig schön.“ Was auf den Teller kommt, ist also stets dem Drumherum geschuldet, selbst gesetzte Vorgaben gibt es nicht wirklich. Koral Elci dazu: „Klar, mediterrane Küche, vor allem Mezze, spielt für mich eine große Rolle. Aber wir haben auch viele Einflüsse aus Norddeutschland. Mir ist es jedoch wichtiger, dass es kein Chichi ist. Also reduziert, aber dafür hochwertig.“ Und vor allem frisch. Daher ist der Naturbursche auch gerne selber jagend unterwegs. „Mein erstes Tier erlegte ich als 5-Jähriger mit der Harpune – einen Oktopus in der Türkei. Den hab ich meinen Eltern dann abends zubereitet.“ Und auch wenn er in Hamburg keine Tintenfische mehr findet, so wirft der Hobbyangler den Köder gerne am hier reichlich vorhandenen Wasser aus, wie man aktuell auch auf MINIs Instagram-Channel sehen kann. 

 

Ein echtes „Kitchen Guerilla Restaurant“ ist dabei keine Option für die Chefs: „Wir sind eher die Typen für die Straße. Ich will lieber abgefahrene Sachen machen, als sesshaft in einem Laden à la carte zu kochen.“ Denn Koral Elci versteht seine Arbeit nicht als reine Kochkunst. „Unsere Events sind künstlerisch-designerische Performances. Und wir wollen mit dem gemeinsamen Essen auch mal zum Nachdenken anregen. Am Ende geht es uns nicht nur darum, was wir kochen, sondern, warum wir es tun.“ Eine sehr sympathische Unternehmensphilosophie. Und die will die Kitchen Guerilla auch weiterhin in die Welt tragen. „Japan steht auf jeden Fall auf dem Plan. Auch der Amazonas wäre mal super.“ Angst vor der Zukunft haben sie dabei nicht. „In der Sache steckt eine Menge Seele. Ich habe vollstes Vertrauen in das Konzept.“ Das haben wir auch. Und nach dem Interview dazu noch eine Menge Hunger.

MINI AM PULS

DIE GROSSE FREIHEIT ANDER SPREE.

Mit dem Holzmarkt entsteht in Berlin auf 18.000 Quadratmetern ein neues Quartier. Wo früher die legendäre Bar 25 stand, wird jetzt gebaggert und gebaut. Das Projekt will die Kreativen der Stadt vereinen und einen Ort für eine innovative Art des modernen Wohnens, Arbeitens und Lebens schaffen.

MINI STADTGESPRÄCH

ORIGINALE #6: DIE SARDINEN.BAR IN BERLIN.

Diesmal führt unsere Suche nach Originalen in Deutschland nach Berlin. In der kürzlich eröffneten Sardinen.Bar serviert Thomas Vetter Feinkost aus der Fischdose.

MINI DREHMOMENTE

ERLEBEN IST DAS NEUE BESITZEN.

Hat der Luxus ausgedient? Sicherlich nicht. Wir interpretieren ihn aber heute anders als noch vor einigen Jahren. Erlebnisse sind der neue Reichtum – und da fährt MINI gerne mit.