19. Mai 2017

MINI PERSPEKTIVEN

Männer mit Profil.

Im Goodyear Innovation Center in Luxemburg entwerfen die beiden Industriedesigner Frederic Ngo und Armand LeConte die Zukunft des Autoreifens. Warum es dabei nicht nur um Bremswegoptimierung und Lärmreduzierung geht, sondern auch um Reisschalen und Geckotatzen erklären die beiden im Gespräch mit MINI News & Stories.

Herr LeConte, Herr Ngo, wie darf man sich den Arbeitsplatz eines Autoreifendesigners vorstellen? Wie eine Werkstatt oder wie eine Werbeagentur?

LeConte: Von beidem etwas. Unser Arbeitsplatz besteht aus drei Bereichen: dem Showroom, wo aktuelle Reifenmodelle und Prototypen ausgestellt sind, einem ganz normalenm Büro mit jeder Menge Computern und der Creative Area. Dorthin ziehen wir uns zurück, wenn wir am Anfang einer Entwicklung stehen. Überall liegen Zeichnungen und Teile von Reifenprofilen herum, die Wände sind voll mit allem, was uns inspirieren könnte.

 

An diesen Wänden hängen sogar Fotos von der Fashion Week. Was haben Autoreifen mit Mode zu tun?

LeConte: Bei Goodyear verstehen wir den Autoreifen nicht nur als Mittel zum Zweck. So wie Automarken und Modelabels, wollen auch wir mit unseren Produkten ein bestimmtes Image transportieren. Das funktioniert über das Design. Ein Reifen für einen 4x4 sollte beispielsweise martialisch und kraftvoll wirken, der für einen Sportwagen dynamisch. Es dreht sich wie überall um die Details. Da kann die Fashionwelt eine Inspirationsquelle sein.

 

Trotzdem geht es bei Autoreifen doch eher um Performance und Sicherheit.

Ngo: Natürlich – aber denken Sie doch mal an Turnschuhe. Sportschuhentwickler arbeiten genau wie wir ständig daran, ihre Produkte etwa durch neue Materialmixe leichter zu machen, den Grip durch innovative Sohlenstrukturen zu optimieren – besonders für Regenwetter. Hier gibt es also viele Parallelen. Und die Geckotatzen – eine der genialsten Erfindungen der Evolution, die für hundertprozentigen Halt auf spiegelglatten Oberflächen steht.

Der Inspiration folgt die Konzeption. Wie entstehent ein neuer Autoreifen, ein neues Profil bei Goodyear?

LeConte: Anfangs arbeiten wir ganz klassisch mit Papier und Bleistift, zeichnen Profile, entwerfen die Rillen und Lamellen. Im zweiten Schritt überführen wir diese Designs in die digitale Welt und erstellen 2-D-Modelle am Computer.

Ngo: Wenn wir etwa 20 bis 30 vielversprechende Entwürfe haben, müssen wir uns der Realität stellen. Dann kommen alle relevanten Experten aus dem Goodyear Innovation Center zusammen: Ingenieure, Chemiker, Materialexperten, Testfahrer... Gemeinsam beschließen wir, welche Designs eine Zukunft auf der Straße haben könnten.

 

Wie viele Entwürfe überstehen diese Runde?

Ngo: Fünf bis sechs. Von diesen erstellen wir 3-D-Modelle am Computer und starten die erste Testphase. Die Simulationen liefern uns dabei sehr realistische Werte, beispielsweise über den Grip. 

LeConte: Zwei bis drei Modelle bleiben dann meist übrig. Von diesen entwerfen wir dann minimale Varianten der Profile, es werden Reifenformen hergestellt und schließlich reale Prototypen mit verschiedenen Reifen-Architekturen gefertigt.

 

Mit denen Sie zwei dann auf die Teststrecke dürfen?

LeConte: Schön wär’s. Aber das erledigen professionelle Fahrer. Die bringen die Prototypen auf Rennstrecken und der hauseigenen Teststrecke hier in Luxembourg, auf der wir verschiedene Wetter- und Straßenbedingungen simulieren können, an ihre Limits. 

Ngo: Am Ende heißt es: The winner takes it all. Der Reifen mit der besten Gesamtperformance geht in die Produktion und kommt nach insgesamt zwei bis drei Jahren Entwicklungszeit auf den Markt.

Auf welche Features fokussieren Sie sich bei Ihren Entwürfen besonders?

Ngo: Neben den Sicherheitsaspekten, dem Handling und der Haltbarkeit, müssen moderne Reifen einen niedrigen Lärmpegel aufweisen und vor allem eine möglichst geringe Reibung erzeugen, um den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Bilanz des Wagens zu minimieren. Trotzdem müssen sie guten Grip für geringe Bremswege aufweisen. Ein ewiger Spagat bei der Reifen- und Profilentwicklung.

 

Gerade die CO2-Bilanz spielt bei immer strengeren gesetzlichen Vorgaben für die Autoindustrie sicherlich eine wichtige Rolle. 

Ngo: Deshalb experimentieren wir ständig mit neuen Materialien wie Polyester, Nylon, Rayon-Fasern oder Korden bei der Fertigung der Reifenkarkassen. In den letzten zehn Jahren konnten wir so rund 1,5 Kilo Gewicht pro Pneu einsparen.

LeConte: Gleichzeitig werden ökologischere Alternativen für Erdöl und andere chemische Stoffe bei der Reifenherstellung gesucht. Goodyear hat in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern ein Verfahren entwickelt, bei dem aus der Asche verbrannter Reisschalen sogenanntes Silica gewonnen wird. Ein vielversprechendes Material, das die Reduzierung des Reifenrollwiderstandes bei gleichzeitiger Erhöhung des Grips ermöglicht.    

Bei MINI ist Design ein großes Thema – vor allem auch im Hinblick auf Zukunftsfähigkeit. Wie werden Autoreifen in zehn oder 20 Jahren aussehen?

Ngo: Auf dem Autosalon in Genf haben wir im März unsere Idee des intelligenten Reifens 2025 vorgestellt. Der Goodyear Eagle Intelligrip Urban steht mithilfe integrierter Sensoren in ständigem Kontakt mit dem Wagen und seiner Umgebung. Sie scannen die Straßenbeschaffenheit und passen den Reifendruck und die Geschwindigkeit entsprechend an. Erwischen sie ein Schlagloch, wird diese Information mit anderen Fahrzeugen geteilt, die dann entsprechend ausweichen könnten. Eine Entwicklung, die vor allem für das autonome Fahren wichtig wird.

LeConte: Hier setzt auch der Goodyear Eagle 360 Urban an. Unsere Vision für das Jahr 2040. Dann werden Autoreifen kugelförmig sein und durch Magnetfelder mit dem Auto verbunden. Dadurch können sie beispielsweise auf der Stelle wenden und seitlich einparken. Für urbane, autonome Mobilitätslösungen ideal.

 

Letzte Frage: Was ist das Sschwierigste an Ihrem Job?

Ngo: Keinen Bandscheibenvorfall zu bekommen.

LeConte: (lacht) Es heißt, wir Reifenentwickler würden immer mit hängenden Köpfen durch die Welt laufen, weil wir nicht auf die Autos, sondern nur auf deren Reifen schauen.

Ngo: (lacht) Und das Schlimme ist: Es stimmt!

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