28. märz 2017

MINI PERSPEKTIVEN

GRÜNZEUG AUS DER GROSSSTADT.

Eine neue Generation von Gärtnern erobert die Städte. Sie arbeiten weniger mit Schaufel und Harke, sondern entwickeln innovative Konzepte, um urbanen Raum nachhaltig fruchtbar zu machen. Drei Beispiele.

Kurze Wege, frische Ware, feinste Aromen: Das verspricht Growing Underground, ein Unternehmen, das Londoner Märkte und Restaurants mit Salat und Kräutern beliefert. Der Clou: Statt auf dem Feld wächst das Grünzeug 33 Meter unter der Erde in einem alten Weltkriegsbunker, also direkt unter den Füßen der späteren Konsumenten. Im Sortiment: verschiedene Salatsorten, Brokkolisprossen und jede Menge frische Kräuter – von der Brunnenkresse über Thaibasilikum bis hin zu Sauerampfer, Schnittlauch oder Koriander. Die großen Vorteile des Untertageanbaus: keine Schädlinge, keine Unwetter, Temperaturen ganzjährig gleichbleibend bei 16 Grad. Deshalb stehen auch alle Zeichen auf Wachstum. Bis zu einem Hektar will das Londoner Unternehmen künftig bewirtschaften. Ähnliche Konzepte werden auch an anderen Standorten erprobt. Fernziel: urbane Räume schaffen, die sich selbst mit frischen Lebensmitteln versorgen. Doch schmeckt Bunker-Basilikum überhaupt? „Hervorragend!“, schwärmt der Sternekoch Michel Roux Jr., der sein Londoner Gourmetrestaurant Le Gavroche von Growing Underground beliefern lässt.
  

Die Schweizer Firma Urban Farmers verfolgt ganz ähnliche Ziele wie Growing Underground, richtet den Fokus dabei aber in die entgegengesetzte Richtung – zumindest geografisch. Hier geht man nicht unter die Erde, sondern steigt aufs Dach. Genauer: auf das Dach des Baseler Lokdepots. Dort werden in umgebauten Containern nicht nur frische Fische gezüchtet, sondern gleichzeitig auch noch Paprika, Tomaten und Salat angebaut. Möglich macht dies das sogenannte Aquaponic-System: Wasser aus den Fischzucht-Aquarien wird genutzt, um Gemüse in einem benachbarten Gewächshaus zu bewässern. Die Fisch-Fäkalien dienen dabei als natürlicher Dünger, gleichzeitig säubern die Pflanzen das Wasser, welches anschließend wieder zurück in die Aquarien fließt. Ein perfekter Kreislauf, bei dem weder Abfall noch Abwasser entstehen. „Die Anlage auf dem Lokdepot ist unser erstes Pilotprojekt“, sagt Roman Gaus, Mitbegründer der Betreiberfirma Urban Farmers. „Aber es gibt schon erste Supermarktketten, die über eigene Anlagen nachdenken.“ Auf dem Dach Anbau und Zucht, nur ein Stockwerk tiefer der Verkauf – frischer geht’s nicht. Ab einer Zuchtfläche von 1.000 Quadratmetern soll das System profitabel funktionieren. Ernte pro Jahr: bis zu 9,8 Tonnen Gemüse und 7,3 Tonnen frischer Fisch.

Einen noch konsequenteren Ansatz verfolgen die Gründer von Farmshelf. Die Idee: frisches Gemüse dort produzieren, wo es gegessen wird – also direkt beim Endverbraucher. Dafür hat das Start-up Farmshelf ein spezielles Gewächshaus entwickelt. Das ist voll verglast, in etwa so groß wie ein kleiner Kleiderschrank und kann in der Küche der Konsumenten, aber auch in Restaurants aufgestellt werden. Integrierte UV-Lampen und ein automatisiertes Bewässerungssystem machen es weitestgehend autark. Sensoren überwachen den Wachstumsprozess und benachrichtigen den Nutzer via App, wenn er selbst Hand anlegen muss oder eine Sorte erntereif ist. Ein modulares Baukastensystem macht es darüber hinaus möglich, verschiedene Gemüsesorten und Kräuter gleichzeitig heranzuzüchten.

 

Farmshelf war Teil des ersten Programms von URBAN-X in New York – der Start-up-Accelerator-Initiative von MINI und der Venture-Kapital-Gesellschaft SOSV. Ziel: der Support von Startups durch ein mentorengeführtes Programm – von der ersten Idee bis zu einer Beta-Version des Produkts. URBAN-X konzentriert sich dabei auf Start-ups, die kreative Lösungen für urbane Probleme entwickeln.

MINI AM PULS

DIE GROSSE FREIHEIT AN DER SPREE.

Mit dem Holzmarkt entsteht in Berlin auf 18.000 Quadratmetern ein neues Quartier. Wo früher die legendäre Bar 25 stand, wird jetzt gebaggert und gebaut. Das Projekt will die Kreativen der Stadt vereinen und einen Ort für eine innovative Art des modernen Wohnens, Arbeitens und Lebens schaffen.

MINI STADTGESPRÄCH

AUS ALT MACH WOW.

Technischer Fortschritt, schnelllebige Trends und eine verschwenderische Lebensweise befeuern nicht nur die Lust am Konsum, sie produzieren auch jede Menge Abfallstoffe. Doch warum sollen wir eigentlich immer Neues produzieren, wo uns so viel umgibt, woraus man Neues kreieren kann? Auf diese Frage ist Upcycling die Antwort.

MINI AM PULS

DEM HIMMEL SO NAH.

Wo sonst spürt man Freiheit so intensiv wie beim Blick auf die Welt von oben? Nicht umsonst werden Berge bestiegen, Türme gebaut und gehören Fotos von der ISS regelmäßig zu den Hits bei Twitter. Dabei muss es nicht gleich die Sicht aus dem All sein: Skywalks liegen weltweit im Trend. Ein besonders spektakulärer hat kürzlich in Tschechien eröffnet. Und auch in den deutschen und österreichischen Alpen oder auf Rügen ziehen diese besonderen Spots mit ihrer Aussicht die Menschen in ihren Bann.